Der Mensch ist zusammengesetzt aus Vergesslichkeit.

Heute Morgen gab es zwischen dem Teenager und mir mal wieder schlechte Stimmung. Ich habe nämlich etwas vergessen und fragte noch einmal nach. Na, da war was los. Es fielen Sätze wie: Das habe ich Dir schon hundertmal erzählt! Du hörst mir nie zu, wenn ich was sage! Alles andere ist Dir wichtiger! Ich bin ja auch nur Dein Kind!

So in dem Tenor ging es weiter. Und während dieser Sturm über mich hinweg zog, suchte ich verzweifelt in meinem Hirn nach der Information, die ich vielleicht irgendwo abgelegt habe. Es war nichts zu finden. Aber klar sagte ich das nicht – die Stimmung war schon spannungsgeladen genug, da musste ich nicht noch Öl ins Feuer gießen.

Das mit dem Merken und dem Vergessen hat die Natur schon clever eingerichtet. Das Hirn siebt aus und hält für uns die Dinge parat, die wichtig sind. Alles andere wird weiter unten abgelagert und bei Gelegenheit raus geholt. Mein Hirn scheint etwas durcheinander geraten zu sein, denn ich habe es schon mehrmals darauf hingewiesen, dass das Gesagte der Teenager immer vorne anstehen muss, um zu jeder Tages- und Nachtzeit abgerufen werden zu können. Aber es hört einfach nicht auf mich!

Ich unternahm lieber nicht den Versuch einer Rechtfertigung – hätte keinen Sinn gehabt und dann mussten wir ja Gott sei Dank alle los, um unser Tagwerk zu verrichten.
Vielleicht kann ich im Laufe des Tages mal tiefer in mich gehen und die hinteren Ablagen meines Hirns durchwühlen. Weggeworfen habe ich das nicht – vielleicht nur einfach falsch abgelegt.

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