Wenn was schief geht – dann richtig!

Gestern war einer dieser Tage, an denen aber auch wirklich alles schief geht, was nur schief gehen kann.

Ich sollte einen Ortsunkundigen zum Hauptbahnhof bringen. Auf den ersten Blick keine sehr schwere Aufgabe. Es gibt verschiedenste Verkehrsmittel, derer man sich bedienen kann, und so habe ich vollmundig zugesagt.

Angesichts der angespannten Verkehrslage mit Baustellen und Sperrungen, wählte ich als Verkehrsmittel meiner Wahl den Roller. Damit bin ich schnell und kann an jedem Stau vorbei fahren und auch mal Wege benutzen, die mir als Autofahrer versperrt bleiben. Gesagt, getan – mein Mitfahrer fand es lustig und willigte ein. Wir sind vielleicht einen Kilometer gefahren, da versagte der Roller. Er wollte nicht mehr. Ich konnte ihn noch so sehr bitten und betteln – er sprang nicht mehr an. Also zur Seite geschoben und abgeschlossen – wir waren in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofes. Steigen wir in die Bahn. Von hier aus fährt sie durch. Ist doch praktisch. Fahrkarte gelöst und schon hörte ich die Durchsage, die jeder Bahnbenutzer fürchtet: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, aufgrund von Bauarbeiten…“ Schnell umdisponieren  – wie komme ich zum Hauptbahnhof? In der Bahn sitzend beschloss ich, mit dem Auto zu fahren. Wir stiegen bei meinem Büro aus und ich fragte meinen Kollegen, ob wir uns sein Auto leihen dürften. Er gab es mir und bemerkte noch, dass wir erst noch eine Tasse Kaffee trinken sollten – am Bahnhof führe gerade die DFB-Elf vorbei und es gäbe umfangreiche Sperrungen. Also setzten wir unseren Weg nach einem Kaffee mit einem Auto fort. Zwischenzeitlich fühlte ich mich schon sehr an „In 80 Tagen um die Welt“ erinnert. Nur dass wir leider keine 80 Tage Zeit hatten –  meine Begleitung gedachte, noch am gleichen Abend sein Ziel zu erreichen. 

Zuerst ging alles gut und ich erzählte über die Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbei kamen und dann die ersten Stockungen im Verkehr. Es ging nicht weiter und ich stand am Alexanderplatz mitten auf der Kreuzung. Als ob das nicht schon schweißtreibend genug ist, klingelte ein Fahrradfahrer die ganze Zeit und skandierte Mantra artig: „ich hab jetzt grün und will hier fahren. Ich hab jetzt grün und will hier fahren…“ Und tat dies dann auch und schrie uns an (mit mir stand ein weiteres Auto im Weg) „Nu fahrnse mal jefälligst weg hier! Ich habe grün und sie rot!“ Der Fahrer vor mir brüllte zurück, dass er das wisse und wo bitte schön solle er denn hin fahren – alles sei verstopft. Ich lehnte mich zurück, lächelte meinen Beifahrer an und meinte, dass man jetzt nur noch eines tun könne – die Ruhe bewahren. Aber er war die Ruhe in Person und fand das ganze unheimlich amüsant.
Irgendwann ging es weiter – darauf wenigstens kann man sich verlassen. Stück für Stück schoben wir uns vorwärts. Und gerade als ich sagte, dass wir es gleich geschafft haben, steht ein netter Polizist vor mir, wedelte mit den Händen und erklärte, dass man nicht hier lang könne, da fahre gerade der DFB Bus vorbei und ich müsse umdisponieren.

Nach Umwegen erreichten wir unser Ziel. Mein Beifahrer war sehr zufrieden, bedankte sich für diese unterhaltsame Stadtrundfahrt und verschwand im Bahnhof. Ich war verzweifelt am Überlegen, wie ich wieder zurück zum Büro komme und dann muss ja noch der kaputte Roller evakuiert werden und ein klein wenig Arbeit wartet noch auf dem Schreibtisch….

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