Ein Tag in der Parallelwelt

Am Sonntag war ich in einer Parallelwelt unterwegs – auf einem Blasmusikfestival.
Ein Platz voller Menschen, die schunkelnder und tanzender Weise diese Art der Musik zelebrierten. Dazu Stände drumherum: Klassiker wie Bratwurst, Wildspezialitäten, Fisch und Bier.
Auf der Bühne Musiker, die ihr Handwerk verstanden – fantastische Virtuosen auf ihren Instrumenten. Angezogen, wie es das Klischee verlangt: die Frauen in Trachten oder Dirndl, die Männer mit Hosen, Westen und wahlweise Hut. Die Instrumentenverteilung klar geregelt: Frauen an den Holzblasinstrumenten wie Querflöte oder Klarinette, Männer am Blech. Hier ist die Welt noch in Ordnung, da stimmen die Rollen!
Gespielt wurde alles, was das Blasmusikrepertoire so hergibt: jede Menge Märsche, Polkas und Walzer. Vor der Bühne wurde getanzt – das Publikum war begeistert und dankbar.

Der Höhepunkt des Tages war ein Schlagerquintett aus Österreich. Auf der Bühne standen fünf mittelalte Herren, die im besten Playback ihre Songs zum Besten gaben. Die Texte so tiefgründig, wie Schlagertexte sind („Du warst der geilste Fehler meines Lebens“ oder auch „Unter mir lag Agadir, vor mir lag die Zeit mit dir, La Isla Bonita.“) Es wurden zotige Witze gerissen, die brandneue CD angepriesen, geschunkelt, gejodelt. Das Publikum war begeistert und tanzte, schunkelte, jodelte mit.

Als ich dem Treiben eine Weile zu sah fragte ich mich, ob sie über Dinge wie die Rolle der Frau und des Mannes nachdenken, ob sie es als Benachteiligung empfinden, dass sie auf eine bestimmte Rolle festgelegt werden.
Es betrifft bei weitem nicht nur die Frauen. Die Männer müssen in dieser Welt ebenfalls eine Rolle einnehmen, die ihnen wenig Spielraum bietet.

Ich bin jedenfalls ganz froh gewesen, dass ich am Abend nach Berlin zurück kehren konnte. In eine Rolle eingezwängt zu werden – welche auch immer das sein mag – kann ich mir für mich nicht mehr vorstellen.

 

2 Gedanken zu „Ein Tag in der Parallelwelt

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