Immer Kleingeld in der Tasche haben.

Mit einem großen Geldschein in der Tasche los zu ziehen, ist immer ungünstig. Jeder Bäcker und Zeitungsverkäufer reagiert sehr empfindlich auf große Scheine am Morgen. Nicht zu vergessen die S-Bahnautomaten, die die neuen 5 € Scheine (die ja nun nicht mehr so ganz neu sind) nicht wollen, aber ab 20 € auch schlapp machen.

Gestern klaubte ich das restliche Kleingeld für das Taschengeld der Teenager zusammen und stand selber mit einem 50 € Schein da. Ich verkniff mir also meinen obligatorischen Kaffee am Morgen, wusste ich doch, dass die freundliche Verkäuferin um diese Zeit mit diesem Schein etwas überfordert sein könnte.
Gegen Mittag der Gang in die Kantine. Vorn an der Kasse ein großes Schild: „Bitte passend zahlen“. Ich war dran, bestellte mein Essen und reichte der netten Kantinenfrau den Schein. Für den Bruchteil einer Sekunde war es totenstill. Nichts rührte sich. Es war eine Stimmung wie in diesen Western, wenn das Greenhorn etwas Falsches gemacht hat, alles im Saloon verstummt, draußen der Wind die vertrockneten Pflanzen vorbei treibt, jeder den Atem anhält.

„HAM SIS NICHT KLEINA?! WIE SOLL ICH DEN DENN WECHSELN?! NEIN, DAS GEHT NICHT!“ – Ihre Stimme ist bestimmt 2 Oktaven nach oben gegangen und ich bin in mich zusammen gesunken. Ich kam mir vor wie ein kleines Mädchen, dass an der Kasse feststellt, dass das Geld nicht reicht. Nur das ich Geld hatte – allein die Kassiererin verweigerte die Annahme. „Das kann ich nicht wechseln!“ Ich sagte ihr, dass ich nur diesen Schein hätte und wenn sie nicht wechseln kann, ich auf das Essen wohl verzichten müsse (ich hatte solch einen Hunger und das Essen duftete so verführerisch und wollte von mir genossen werden). Hilflos sah ich mich um und blickte in die Gesichter der Wartenden hinter mir, die teilweise den Kopf schüttelten ob der Unkenntniss der Gepflogenheiten in ihrer Kantine und verärgert waren, weil ich die Routine aufhielt.
Ich könnte natürlich all die hinter mir Stehenden zum Essen einladen – dann bräuchte sie nicht allzu viel Wechselgeld rausgeben. Allerdings kannte ich sie nicht. Sie wären eventuell erstaunt und würden aus Angst, ich hätte etwas Unstatthaftes vor, die Annahme verweigern und dann stehe ich da mit unzähligen Essen. So groß war denn mein Hunger auch nicht.

Ein hinter mir stehender Herr rettete die Situation – er zückte fünf 10 € Scheine aus seiner Tasche und die Kassiererin händigte mir mein Essen aus.

Vielleicht sollte man beim Finanzministerium anregen, nur noch Scheine bis 20 € zu drucken.

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