Suche nach Alternativen

Es gibt Dinge, die wir nicht laut aussprechen. Dinge, die wir uns nicht mal trauen zu denken.
Das ist mir beim Lesen eines Artikels bewusst geworden, den ich letztens fand. Es ging um eine Studie einer Soziologin die Mütter befragte, ob sie, wenn sie die Zeit zurück drehen könnten, mit all dem Wissen und die Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer Mutterschaft gesammelt hätten, noch mal Kinder bekommen würden und die Antwort war: NEIN. Diese Studie hat natürlich für einen Aufschrei gesorgt, ist doch Mutterschaft automatisch in den Köpfen verbunden mit Glück, Zufriedenheit, Erfüllung. Klar lesen wir immer mal wieder von den Wochenbettdepressionen. Ist diese allerdings überwunden, haben Mütter glücklich zu sein.
Jede Frau, die Mutter ist, kennt aber die widersprechenden Gefühle, die in uns wohnen. Es ist nicht alles toll und wunderbar und faszinierend. Es gibt Phasen, die sind schrecklich und überfordern einen und bringen uns an den Rand des Aushaltbaren. Nur reden wir nicht darüber, weil uns die Gesellschaft ein Bild der glücklichen und alles meisternden Göttin vorführt. Wir können alles, wir meistern alles und reden wenig über unsere Probleme. Ich nehme mich da nicht aus. Wie oft war ich am Rande des Machbaren und habe es immer wieder irgendwie alleine hinbekommen. Nur bin ich dabei auf der Strecke geblieben. Niemand sagt einem mit Beginn der Schwangerschaft, das wir unsere eigene Persönlichkeit mit der Geburt erst mal abgeben, weil da ein Mensch ist, der auf uns angewiesen ist und das rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, jahrelang. Jede Entscheidung, die ich fortan treffe, betrifft nicht mehr nur mich. Plötzlich habe ich die Verantwortung für einen Menschen, die ich nicht einfach abgeben kann. Das fängt bei Kleinigkeiten wie dem Tagesablauf an und endet bei der Wahl meines  Berufes und meiner Freunde.
Es gibt ein Sprichwort das besagt, dass für die Erziehung eines Kindes ein Dorf notwendig sei. Ja, dem stimme ich zu. Mit den gemachten Erfahrungen denke ich, dass wir uns gegenüber alternativen Familienformen öffnen sollten.
In meinem Bekanntenkreis „teilen“ sich drei Mütter ein Kind. Ich bin neidisch. Wie oft hätte ich mir gewünscht, ein Stück Verantwortung abzugeben, einfach mal eine Woche die Kinder abgeben und mich nur um mich kümmern. Das bedeutet nicht, dass ich meine Kinder nicht liebe. Das hat damit nichts zu tun. Wenn wir solche Gedanken laut äußern, wird mir als Mutter das unterstellt.

Ich bin dafür, dass die bestehende Form der Kleinfamilie einfach neu gedacht wird, dass es eine Öffnung gibt hin zu einer Gesellschaft, die den Müttern hilft. Damit meine ich nicht den Ausbau der Kitas und Schulen (sicherlich auch), sondern die Darstellung der Mutter in der Gesellschaft. Und es sollte möglich sein, dass wir Mütter sagen können: wir können nicht mehr, wir brauchen eine Pause oder Hilfe und Unterstützung, ohne Angst haben zu müssen, dass wir schief angesehen werden, das uns vermittelt wird, wir seien nicht normal.

Normal sollte sein, dass wir uns unkompliziert Hilfe von außen holen können. Dass wir vielleicht einfach mal alles hin werfen können und die Verantwortung abgeben an unsere Umwelt. Wie das aussehen kann? Ich weiß es nicht, denke aber darüber nach. Schließlich steht die nächste Generation Mütter schon in den Startlöchern. Ihnen zuliebe sollten wir endlich umdenken und das MUTTERSEIN, so wie es uns suggeriert wurde,  vom Sockel stoßen!

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