Alles muss sauber sein!

Wenn ich koche, dann liebe ich es, die Zutaten in den Händen zu halten und zu spüren. Ich weiß genau, wie sich was anfühlt: Mehl, Butter, Eier, Zucker, Nüsse. Als Kind liebte ich es, meine Mutter beim Kochen zu beobachten und natürlich mit den Fingern aus den Schüsseln und Töpfen zu naschen. Das Auslecken der Schüssel, in der der Kuchenteig bereitet wurde, war doch der Höhepunkt jeden Backvergnügens (noch heute!) und tausendmal besser, als der eigentlich fertige Kuchen.

Aber das ist jetzt vorbei. In einer Zeit, in der alles septisch rein ist und es für alles und jedes ein spezielles Desinfektionsmittel gibt, wird Teig nicht mehr mit der Hand zubereitet. Nein! Es gibt jetzt hierfür den praktischen Teig-Knetbeutel.
                       

Jetzt können wir alle Zutaten in diesen praktischen Silikonbeutel tun – keine klebrigen Finger mehr und keine verschmutzten Arbeitsflächen.

Kochen und Backen ist für mich ein sinnliches Vergnügen. Alle Sinne sind beteiligt: riechen, schmecken, spüren, ja auch hören und sehen. All das wird einem genommen: ich spüre nichts mehr, ich schmecke nichts mehr und riechen werde ich wahrscheinlich das Silikon. Und wo bleibt das berühmte „Das Auge isst mit“? Das hat für mich so gar nichts mit Vergnügen zu tun.

Und angesichts der Werbeaufschrift frage ich mich auch: was haben die Erfinder für eine Auffassung von Schmutz? Ist Mehl auf der Arbeitsfläche Schmutz? Sind Teigreste auf dem Tisch Schmutz?
Ich werde auch weiterhin meine Hände benutzen, die Küche beim Kochen und Backen „einsauen“ und nehme hinterher das Säubern der Selben gern in Kauf.

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