Rechtfertigungszwang

Ist euch schon mal aufgefallen, dass wir uns eher für etwas rechtfertigen müssen, was wir nicht tun, als für etwas, was wir tun?

Bestes Beispiel ist das Nichttrinken oder Trinken von Alkohol. Sitzt man in trauter Runde zusammen, dann ist es das Normalste der Welt, wenn Wein getrunken wird oder Bier oder was auch immer an alkoholischen Getränken vor Ort ist. Lehnt man in solchen Runden jedoch den Alkohol ab und trinkt einen Saft oder Wasser, wird man gleich mal gefragt warum und weshalb. Trinkt eine grundsätzlich nicht, schwingt immer so etwas wie – die ist doch bestimmt trockene Alkoholikerin – im Raum. Die Nichttrinkerin ist in solchem Kontext gezwungen, sich zu erklären. Sprüche wie „Hey, wir wollen doch nur kurz zusammen anstoßen, nun hab Dich mal nicht so“ und ähnliches bekommt man gesagt. Keiner kommt auf die Idee zu fragen, warum die Leute Alkohol trinken. Das ist so selbstverständlich.

Das Gleiche in grün übrigens, wenn man auf Zucker verzichtet. Damit einher gehen unheimlich viele Lebensmittel. Gestern hatte ein Kollege Geburtstag und machte mit einem Blech Kuchen seine Runde und stand irgendwann auch bei mir auf der Schwelle. Ich gratulierte brav und lehnte den Kuchen dankend ab. Und schon ging es los: ob ich abnehmen will und wenn ja, wo denn, am Knie?  Ob ich jetzt etwa auch zu den Gesundheitsfanatikern gehören würde, das passe so gar nicht zu mir. Der Kollege mit dem Übergewicht nahm gleich zwei große Stücke und niemand, wirklich niemand fragte ihn, warum er bei seinem Gesundheitszustand nun auch noch diesen Kuchen verdrücken muss. Nein, ich war im Rechtfertigungszwang.

Irgendwie ist das verkehrte Welt.

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